So wirst du zum Lieblingsgast auf deiner nächsten Kreuzfahrt! Dieser Ratgeber vom Ex-Crew-Mitglied verrät die besten Tipps & No-Gos im Umgang mit der Crew auf einem Kreuzfahrtschiff.
Eine kleine Geste mit großer Wirkung
Ich erinnere mich noch gut an die langen Tage auf See, tausende Seemeilen von zu Hause entfernt. Als ehemaliges Crewmitglied auf einem Kreuzfahrtschiff kenne ich die Realität hinter den makellosen Kulissen, dem strahlenden Lächeln und dem tadellosen Service. Es ist eine Welt aus langen Verträgen, oft sechs bis zehn Monate ohne einen einzigen freien Tag, harter körperlicher Arbeit von 10-14 Stunden täglich und dem ständigen Leben in engen Kabinen tief unter den Passagierdecks. Man verpasst Geburtstage, Hochzeiten und die kleinen Alltagsmomente mit der Familie, um den Lebensunterhalt zu verdienen und den Gästen eine unvergessliche Urlaubszeit zu ermöglichen. Doch viel haben die Seeleute an Bord nicht von ihrer spärlichen Heuer, der Großteil sendet den Löwenanteil davon in die Heimat
Aber es ist mehr als nur die lange Arbeitszeit. Du teilst dir eine winzige, oft fensterlose Kabine von vielleicht sechs Quadratmetern mit mindestens einem Kollegen im Stockbett, den du kaum kennst. Privatsphäre ist ein Luxus, den es kaum gibt. Dazu kommt der ständige Druck – nicht nur durch die anspruchsvollen Aufgaben, sondern auch durch eine strenge Hierarchie und Vorgesetzte, die oft mehr auf Zahlen als auf Menschen achten. Diese psychische Belastung ist enorm.
Doch es gibt auch die andere Seite, die „Höhen“, die dieses Leben so besonders machen: der unglaubliche Zusammenhalt unter der Crew. Menschen aus Dutzenden Nationen werden zu einer Familie auf Zeit, die sich gegenseitig stützt. Und dann sind da die unbezahlbaren Momente: der Sonnenaufgang über einer neuen, exotischen Küste, die Freundschaften fürs Leben und das Gefühl, die Welt auf eine Weise zu erleben, wie es nur wenige können.
In diesem einzigartigen Umfeld wird eine kleine Geste der Freundlichkeit zu einer großen Sache. Ein ehrliches Lächeln, ein freundliches Wort oder ein Zeichen der Anerkennung von einem Passagier konnte meine ganze Woche erhellen. Es war die Bestätigung, dass unsere harte Arbeit gesehen und geschätzt wird. Genauso konnte mich aber das rüde, rücksichtslose und egoistische Verhalten mancher Passagiere so herunter ziehen, dass man kurzfristig alles hinschmeissen wollte. Doch Gott sei Dank überwogen die positiven Begegnungen bei weitem!
Für eine besondere Gruppe von Reisenden, die sogenannten Vielfahrer, ist ein Kreuzfahrtschiff weit mehr als nur ein Urlaubsort – es ist eine Art zweite Heimat. Bei ihnen gleicht der erste Tag an Bord weniger einer Erkundungstour als vielmehr einem freudigen Wiedersehen mit alten Freunden. Man kennt sich, oft seit Jahren, und die Begrüßung zwischen Gast und Crewmitglied ist von einer besonderen Herzlichkeit geprägt, die weit über professionelle Freundlichkeit hinausgeht.
Es ist die pure Freude für diese Stammgäste, den Lieblingskellner wiederzusehen, der sich noch an das Getränk vom letzten Mal erinnert, oder den Kabinensteward, der sich nach der Familie erkundigt. Dieses vertraute Verhältnis, das über viele Reisen gewachsen ist, verwandelt den Service in eine echte menschliche Verbindung und macht das Wiedersehen nach langer Zeit zu einem der schönsten Momente der ganzen Reise – für beide Seiten.
Dieser Guide ist mehr als nur eine Ansammlung von Benimmregeln. Er ist ein Blick hinter die Kulissen, der dir helfen soll, die Welt der Crew zu verstehen. Denn hier liegt das größte Geheimnis für einen fantastischen Urlaub: Wenn du verstehst, wie du der Crew das Leben leichter machen kannst, wirst du nicht nur zu einem geschätzten Gast, sondern du investierst direkt in die Qualität deines eigenen Urlaubserlebnisses. Eine glückliche, respektierte Crew leistet nicht nur besseren Service – sie schafft jene magischen Momente, die eine gute Reise zu einer unvergesslichen machen. Sieh das also als deinen persönlichen Leitfaden, um eine Win-Win-Situation für alle an Bord zu schaffen.
So wirst du zum Lieblingsgast an Bord: Die goldenen Regeln
Über die vielen Monate an Bord – sowohl als Teil der Crew, als auch als Gast – habe ich gelernt, dass es bestimmte Verhaltensweisen gibt, die einen Passagier sofort positiv hervorheben. Es sind oft die kleinen Dinge, die zeigen, dass du die Crew nicht nur als Personal, sondern als Menschen wahrnimmst.
1. Freundlichkeit und Geduld sind die Basis
Das mag selbstverständlich klingen, aber du wärst überrascht, wie viele Passagiere die Crewmitglieder behandeln, als wären sie unsichtbar. Ein einfaches „Guten Morgen“, ein Lächeln im Vorbeigehen oder ein aufrichtiges „Danke“ kostet nichts, bewirkt aber Wunder. Kein Schimpfen, kein lautes Meckern. Bleib geduldig und äußere Wünsche realistisch und höflich – das hilft erwiesenermaßen, Probleme schneller zu lösen.
2. Der direkte Weg: Probleme fair und schnell lösen
Sollte während deiner Kreuzfahrt doch einmal etwas nicht zu deiner Zufriedenheit sein – sei es ein fehlendes Handtuch in der Kabine oder ein Problem mit dem Fernseher – ist der fairste und oft auch schnellste Weg, dies direkt beim betroffenen Crew-Mitglied anzusprechen. Ein direkter Gang zum Vorgesetzten oder zur Rezeption, ohne dem Mitarbeiter eine Chance zur Nachbesserung zu geben, setzt diesen unnötig unter Druck und zwingt ihn in eine Rechtfertigungsposition für ein Problem, von dem er vielleicht noch gar nichts wusste. Eine höfliche und persönliche Ansprache ermöglicht es dem Kabinensteward oder Kellner, das Anliegen sofort und unkompliziert zu lösen, was am Ende zu einer viel schnelleren und angenehmeren Lösung für alle Beteiligten führt.
3. Mehr als nur Streifen: Warum jeder an Bord Respekt verdient
An Bord eines Schiffes ist die Hierarchie oft an der Uniform und den Streifen auf den Schultern erkennbar, was leider manche Gäste zu einem differenzierten und respektlosen Verhalten verleitet. Es ist ein großes Problem, dass gerade die hart arbeitenden Crew-Mitglieder in Service-Positionen ohne Offiziers-Abzeichen oft ignoriert oder wie Personal zweiter Klasse behandelt werden. Dabei sind es genau diese Menschen – vom Kabinensteward bis zum Küchenpersonal – die das Rückgrat des gesamten Betriebs bilden und unter enormem Druck für dein Wohlbefinden sorgen. Ein freundliches Wort und ein Lächeln sollten daher jedem gelten, denn wahre Wertschätzung kennt keinen Rang und macht die Reise für alle besser.
4. „Say my name!“ – Nenne sie beim Namen
Dein Kabinensteward, dein Kellner, die Barkeeperin – sie alle tragen ein Namensschild. Nutze es! Eine Person mit ihrem Namen anzusprechen, ist eine starke Form der Wertschätzung und Anerkennung. Es zeigt, dass du sie als Individuum siehst.
Kreuzfahrtblogger-Insider-Tipp: Fällt es dir schwer, sich Namen zu merken? Mach unauffällig ein Foto vom Namensschild mit deinem Handy. So kannst du den Namen nicht nur während der Reise immer wieder korrekt verwenden, sondern hast ihn auch gleich für die wichtige Zufriedenheitsumfrage am Ende der Reise parat.
5. Respektiere Grenzen und öffentliche Räume
Private Fragen nach Gehalt, Religion oder Politik sind übergriffig und unangemessen. Respektiere die persönliche Distanz der Crew, „Freunden fürs Leben“ findest du hier als Gast sicher nicht. Vermeide zudem lautes Verhalten in den Gängen oder deiner Kabine, besonders spät in der Nacht. Die Wände sind dünn. Nutze Kopfhörer für Musik oder Filme auf deinen Geräten.
6. Hygiene ist nicht verhandelbar
Du siehst überall auf dem Schiff Händedesinfektionsstationen. Nutze sie! Vor dem Betreten des Buffets, nach dem Toilettengang oder dem Besuch im Fitnessstudio – Händewaschen und Desinfizieren ist Pflicht. Ein Ausbruch von Krankheiten wie dem Norovirus bedeutet für die Besatzung nicht nur eine immense gesundheitliche Gefahr, sondern auch extreme Mehrarbeit und Stress. Nimm dir am Buffet für jeden Gang einen neuen Teller, um die Übertragung von Keimen zu vermeiden.
7. Schuhe tragen und Wege freihalten
Auch wenn es im Urlaub entspannt zugeht: Laufe in öffentlichen Innenbereichen wie Restaurants, Theatern oder Shops nicht barfuß. Die Crew empfindet es als unhygienisch. Halte zudem in den Restaurants die Wege für die Crew frei und stelle Tabletts nicht mitten im Gang ab.
8. Die Sicherheitsübung ist heilig!
Ja, die Seenotrettungsübung (Muster Drill) kann sich wie eine lästige Pflicht anfühlen. Für die Crew ist es jedoch der wichtigste Teil ihres Jobs: deine Sicherheit an Bord zu gewährleisten. Erscheine pünktlich, sei aufmerksam und befolge die Anweisungen, dann ist diese lästige Pflichtveranstaltung schnell vorbei. Wer die Übung ignoriert, gefährdet sich und andere.
9. Sei pünktlich – immer!
Das gilt für zwei Bereiche: deine Tischreservierungen und die „All Aboard“-Zeit im Hafen. Wenn du zu spät zum Abendessen kommst, bringt das den straffen Zeitplan in der Küche und im Service durcheinander. Noch kritischer ist die Zeit im Hafen. Das Schiff wird nicht auf dich warten. Ich habe es selbst erlebt: Passagiere, die panisch winkend am Pier zurückbleiben. Die Organisation des Transports zum nächsten Hafen liegt dann allein in deiner Verantwortung und ist extrem kostspielig.
Bonustipp: Crew in Zivil – der Knigge für Begegnungen an Land
Wenn du bei einem Landgang Crew-Mitglieder in ihrer Freizeit triffst, ist das eine tolle Gelegenheit, sie als Privatpersonen zu erleben. Bedenke jedoch, dass dies ihre kostbare, begrenzte Auszeit vom 24/7-Job an Bord ist. Ein freundliches „Hallo“ ist immer willkommen, aber hier sind ein paar wichtige Tipps, um die unsichtbaren Grenzen zu wahren:
- Ihre Freizeit ist heilig: Sie sind nicht im Dienst. Vermeide es daher, sie mit Fragen zu deiner Kabine, dem Service oder anderen schiffsbezogenen Anliegen anzusprechen. Sie nutzen diese wenigen Stunden, um mit der Familie zu telefonieren, einzukaufen oder einfach nur abzuschalten.
- Verstehe die strikten Regeln: Die meisten Reedereien haben eine extrem strenge „No-Fraternization“-Politik, die intime oder übermäßig freundschaftliche Beziehungen zwischen Gästen und Crew verbietet. Ein Verstoß, selbst an Land, kann zur sofortigen Kündigung führen. Lade sie daher niemals zu einem Drink ein oder bitte sie, sich deiner Gruppe anzuschließen – das bringt sie in eine unangenehme Lage und setzt sie einem enormen Risiko aus.
- Lass sie die Initiative ergreifen: Der beste Ansatz ist ein kurzes, freundliches Nicken oder ein Gruß. Wenn das Crew-Mitglied Zeit und Lust auf ein Gespräch hat, wird es das signalisieren. Respektiere es aber vollkommen, wenn sie distanziert bleiben – es dient ihrem eigenen Schutz.
- Die Pier ist Teil des Schiffes: Bedenke, dass die Regeln oft auch für den direkten Pier-Bereich gelten. Selbst ein Kuss zur Verabschiedung auf der Pier kann zu einer Abmahnung oder Kündigung führen.
Kurz gesagt: Behandle sie wie jeden anderen Menschen, der seine Freizeit genießt, und sei dir immer bewusst, dass eine zu freundschaftliche Interaktion für sie berufliche Konsequenzen haben kann.
Was du auf keinen Fall tun solltest: Die absolute No-Go-Liste
Einige Verhaltensweisen sind nicht nur unhöflich, sondern können ernsthafte Konsequenzen haben – für dich, aber vor allem für die Crew. Hier ist die ultimative Liste der Dinge, die du als Passagier niemals tun solltest.
| Das No-Go | Warum es ein Problem ist |
| 1. Crew-Bereiche betreten | Kann zur sofortigen Entlassung des Crew-Mitglieds führen. Es ist deren einziger privater Rückzugsort. |
| 2. Die automatischen Trinkgelder stornieren | Dies ist ein wesentlicher Teil des Gehalts der Crew. Eine Stornierung wird als massive Geringschätzung empfunden. |
| 3. Fraternisierung und Flirten | Romanzen zwischen Gästen und Crew sind streng verboten und können zur Kündigung führen. Flirten bringt die Crew in eine unprofessionelle Lage. |
| 4. Über die Reling oder den Balkon klettern | Es ist lebensgefährlich, streng verboten und löst Stress bei den Sicherheitsteams aus. |
| 5. Die Crew wie Diener oder Sklaven behandeln | Mit den Fingern schnippen, herablassende Anreden wie „Servicepersonal“ oder ungebetene „Ratschläge“ sind zutiefst respektlos. |
| 6. Die Sicherheitsübung ignorieren | Sie ist gesetzlich vorgeschrieben und im Notfall überlebenswichtig. Wer sie ignoriert, riskiert von Bord verwiesen zu werden. |
| 7. Leere Teller zum Buffet zurückbringen | Dies ist ein Hygienerisiko und stört die Arbeitsabläufe der Crew, die für das Abräumen zuständig ist. |
| 8. Die Kabine im Chaos hinterlassen | Erschwert einen bereits körperlich anstrengenden Job unnötig und ist respektlos. |
| 9. Die Schiffstoilette als Mülleimer missbrauchen | Feuchttücher oder Hygieneartikel können das empfindliche Vakuumsystem lahmlegen und verursachen extrem unangenehme Reparaturen. |
| 10. Crew unerlaubt fotografieren | Das kann Sicherheits- und Datenschutzprobleme verursachen und ist eine Verletzung der Privatsphäre. Frage vorher! |
So ist das stundenlange Blockieren von Deckstühlen mit einem Handtuch, ohne sie zu nutzen, ist nicht nur unhöflich gegenüber anderen Gästen, sondern zwingt die Crew auch in die undankbare Rolle der „Liegen-Polizei“, die dann die Plätze wieder freiräumen muss.
Auch gut gemeinte Geschenke wie selbstgebackene Kekse oder geöffnete Snacks sind ein No-Go, da die Crew aus strengen Hygiene- und Sicherheitsgründen keine unverpackten Lebensmittel annehmen darf.
Trinkgeld: Was, wie viel und an wen?
Trinkgeld an Bord von Kreuzfahrtschifen ist ein komplexes, aber wichtiges Thema. Hier ist ein klarer Leitfaden.
Automatisches Trinkgeld (Crew Appreciation)
Die meisten internationalen Reedereien berechnen automatisch eine Servicepauschale pro Person und Tag. Diese liegt oft zwischen 11 und 19 US-Dollar oder Euro, je nach Reederei und gebuchter Kabinenkategorie. Dieses Geld ist kein Bonus, sondern ein fester und wesentlicher Bestandteil des oftmals sehr niedrigen Grundgehalts der Crew. Es wird über einen Pool an viele Mitarbeiter verteilt, auch an jene, die du nie siehst, wie das Küchen- und Wäschereipersonal.
Wichtiger Hinweis: Wenn du dieses automatische Trinkgeld an der Rezeption reduzieren oder stornieren lässt, wird dies von der Crew als große Respektlosigkeit empfunden. Wenn du unzufrieden mit dem Service bist, sprich das Problem direkt an, anstatt der gesamten hart arbeitenden Crew einen Teil ihres Lohns zu streichen.
Fragwürdige Trinkgeldpolitik der Reedereien
Erlaube mir an dieser Stelle eine ganz persönliche Anmerkung, die mir als ehemaligem Crewmitglied sehr am Herzen liegt:
Meiner festen Überzeugung nach sollten Reedereien faire und existenzsichernde Grundgehälter zahlen, anstatt das Trinkgeld-System als festen Lohnbestandteil zu missbrauchen. Die aktuelle Praxis, bei der die automatische Servicepauschale einen wesentlichen Teil des Einkommens ausmacht, verlagert die Verantwortung für eine gerechte Bezahlung vom Arbeitgeber auf den Gast. Trinkgeld sollte das sein, was es ursprünglich war: Ein freiwilliger Bonus für außergewöhnlichen Service, nicht eine Notwendigkeit, um ein niedriges Grundgehalt auszugleichen.
Mein Appell an dich ist daher, bei aller berechtigten Kritik am System, die moralische Verpflichtung nicht zu vergessen, die wir gegenüber den Menschen haben, die uns bedienen. Lass die Crew nicht für ein System leiden, das sie nicht geschaffen hat, auf das sie aber für ihren Lebensunterhalt existenziell angewiesen ist. Deine Kritik gehört an die Reederei, deine Wertschätzung jedoch direkt an die hart arbeitenden Menschen vor Ort.
Zusätzliches Trinkgeld
Wenn du mit einem Service besonders zufrieden warst, ist ein zusätzliches Trinkgeld in bar die beste Form der persönlichen Anerkennung.
- Kabinenpersonal (Steward/Hostess): Für außergewöhnlichen Service während einer 7-tägigen Reise sind 50–75 US-Dollar oder Euro extra eine großzügige Geste.
- Bar & Spezialrestaurants: Auch wenn auf der Rechnung oft schon eine Servicegebühr enthalten ist, freuen sich Barkeeper über zusätzliche 1–2 US-Dollar oder Euro pro Drink für exzellenten Service.
Zusätzliche Wertschätzung – mehr als nur Trinkgeld
Neben Geld gibt es aber noch viele andere Wege, deine Dankbarkeit zu zeigen.
Kleine Geschenke aus der Heimat
Hochwertige, originalversiegelte Süßigkeiten sind sehr beliebt. Deutsche oder belgische Schokolade und Produkte von Haribo kommen bei der internationalen Crew fast immer gut an. Bedenke aber, dass viele Crewmitglieder aus Asien laktoseintolerant sind oder aus religiösen Gründen keine Schweinegelatine essen. Mit Zartbitterschokolade oder vegetarischen Süßigkeiten bist du auf der sicheren Seite. Auch kleine, lokale Souvenirs wie Postkarten oder Kühlschrankmagnete sind eine nette Geste. Letztere dienen auf den Crewkabinen als Befestigung für Dienstpläne, Postkarten oder Fotos von zuhause an der Metallwand.
Praktische Geschenke für den Alltag
Die Kabinen sind winzig, also sind praktische Dinge Gold wert. Das absolut beste Geschenk sind internationale Telefon- oder Prepaid-Datenkarten für die jeweilige Reiseregion. Internet an Bord ist für die Crew extrem teuer und der Kontakt zur Familie ist das Wichtigste. Auch kleine Alltagshelfer wie hochwertige Socken, Handcreme oder eine wasserfeste Powerbank sind hochwillkommen.
Halte deine Kabine sauber
Dein Kabinensteward ist für die Reinigung da, nicht für die Beseitigung von Chaos. Räume deinen Müll weg, verteile nicht überall nasse Handtücher und hinterlasse das Zimmer in einem ordentlichen Zustand. Das erleichtert die harte körperliche Arbeit enorm. Informiere deinen Steward, wenn das „Bitte nicht stören“-Schild für längere Zeit an der Tür hängt, das schenkt ihm eine kleine Verschnaufpause.
Kreuzfahrtblogger-Insider-Tipp: Wertgegenstände stets im Safe lassen, um Missverständnisse zu verhindern!
Achtung bei Reedereivorgaben
Einige Reedereien haben strikte Regeln für Geschenke. Carnival erlaubt beispielsweise nur originalverpackte, nicht verderbliche Präsente; Alkohol ist absolut tabu. Norwegian verbietet Bargeschenke an Landangestellte. Informiere dich im Zweifel vorab über die spezifischen Richtlinien.
Die ultimative Wertschätzung: Dein Feedback ist die wertvollste Währung!
Jetzt kommt der wichtigste Insider-Tipp: Dein offizielles, schriftliches Feedback kann für die Karriere eines Crewmitglieds wertvoller sein als jeder Geldschein.
Mehr wert als Geld
Während ein zusätzliches Trinkgeld eine willkommene finanzielle Anerkennung ist, gibt es etwas, das für die Karriere eines Crewmitglieds noch entscheidender sein kann: Dein namentliches, positives Feedback! Für die Crew ist das mehr als nur ein Lob – es ist Job-Sicherheit, Anerkennung und Karriere-Fortschritt in einem. Die Kreuzfahrtgesellschaften nutzen die Zufriedenheitswerte aus diesen Umfragen als einen der wichtigsten Leistungsindikatoren für ihre Mitarbeiter.
Diese Bewertungen haben direkten Einfluss auf:
- Beförderungen und Gehaltserhöhungen
- Die Zuteilung zu besseren Schiffen oder Routen
- Die Entscheidung, ob ein Vertrag verlängert wird
So machst du es richtig
- Namen notieren: Nutze unseren Tipp aus Abschnitt 2. Notiere dir den vollen Namen und die Position des Crewmitglieds.
- Sei spezifisch: Eine allgemeine Aussage wie „Der Service war gut“ ist nett, aber nicht wirkungsvoll. Beschreibe eine konkrete Situation.
- Nutze die offiziellen Kanäle: Der wichtigste Kanal ist die E-Mail-Umfrage, die du nach der Reise erhältst. Nimm dir die 10 Minuten Zeit. Kritik sollte sachlich und rechtzeitig beim Guest Service vorgebracht werden, damit die Crew die Chance hat, das Problem zu lösen.
Zusammenfassung – Dein Mini-Mantra für die Reise
„Respekt. Dank. Sauberkeit. Pünktlichkeit. Wenn du das beachtest, bist du der Held der Crew.“
- Sei höflich: Ein Lächeln und ein simples „Danke“ sind die einfachste Form der Wertschätzung.
- Trinkgeld: Akzeptiere die automatische Pauschale als Teil des Lohns und gib bei außergewöhnlichem Service gerne etwas extra in bar.
- Kein Barfuß, kein Liegen-Horten, kein Drama: Beachte die grundlegenden Benimmregeln für ein harmonisches Miteinander.
- Besondere Freude: Mache mit versiegelten Süßigkeiten, netten Worten oder einer sauberen Kabine eine Freude.
- Umfrage nutzen: Dein bestes Geschenk ist ein namentliches Lob in der offiziellen Bewertung nach der Reise.
Mit diesen Tipps bist du bestens vorbereitet, um deine Kreuzfahrt bis zur Ausschiffung zu genießen und dabei gleichzeitig der Crew den Respekt und die Dankbarkeit zu zeigen, die sie verdienen. Denk immer daran: Happy Crew – Happy Cruise!
Jetzt bist du dran! Jede Reise steckt voller kleiner Geschichten, die oft durch die Crew zu etwas Besonderem werden. Welches Crewmitglied hat deine Kreuzfahrt unvergesslich gemacht? Ich bin gespannt auf deine ganz persönlichen Erlebnisse – teile sie mit uns in den Kommentaren!
FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Umgang mit der Crew
Soll ich das automatische Trinkgeld stornieren und stattdessen lieber Bargeld geben?
Nein, das ist keine gute Idee und wird von der Crew als sehr respektlos empfunden. Das automatisch abgebuchte Trinkgeld (oft „Crew Appreciation“ genannt) ist ein fester und wichtiger Bestandteil des Gehalts für die gesamte Crew, einschließlich der vielen unsichtbaren Helfer in der Küche, der Wäscherei oder im Maschinenraum. Eine Stornierung schadet also nicht nur einer Person, sondern dem ganzen Team. Wenn du einen bestimmten Mitarbeiter für außergewöhnlichen Service belohnen möchtest, ist zusätzliches Bargeld die perfekte persönliche Geste, die immer sehr geschätzt wird.
Was sind die besten Geschenke für die Crew, wenn ich mehr als nur Geld geben möchte?
Originalverpackte Süßigkeiten aus deiner Heimat, wie zum Beispiel deutsche Schokolade oder Haribo, sind ein sehr beliebtes Mitbringsel. Noch wertvoller sind jedoch praktische Dinge, die den Alltag an Bord erleichtern. Das absolut beste Geschenk sind internationale Telefon- oder Prepaid-Datenkarten für die jeweilige Reiseregion, da Internet an Bord für die Crew extrem teuer ist und der Kontakt zur Familie zu Hause unbezahlbar ist. Auch hochwertige, bequeme Socken oder Gel-Einlegesohlen für die langen Arbeitstage sind eine durchdachte und hochwillkommene Geste.
Was mache ich, wenn ich ein Crew-Mitglied an Land in seiner Freizeit treffe?
Ein freundliches Nicken oder ein kurzes „Hallo“ ist immer angebracht. Bedenke aber, dass dies die seltene und kostbare Freizeit der Crew ist. Vermeide es, sie mit Fragen zum Schiff oder Service anzusprechen und lade sie auf keinen Fall zu einem Drink ein oder bitte sie, sich deiner Gruppe anzuschließen. Die meisten Reedereien haben eine extrem strenge „No-Fraternization“-Regel, die übermäßig freundschaftliche Beziehungen zu Gästen verbietet – ein Verstoß, selbst an Land, kann zur sofortigen Kündigung führen.
Warum ist die Umfrage nach der Reise so wichtig? Ist ein extra Trinkgeld nicht besser?
Während ein extra Trinkgeld eine wunderbare und direkt spürbare Anerkennung ist, hat dein schriftliches Feedback eine langfristige und oft noch größere Wirkung. Ein namentliches, positives Lob in der offiziellen Umfrage, die du per E-Mail erhältst, ist für die Karriere eines Crew-Mitglieds oft wertvoller als Bargeld. Diese Bewertungen haben direkten Einfluss auf Beförderungen, Gehaltserhöhungen und die Chance auf eine Vertragsverlängerung.
Ich habe ein Problem in meiner Kabine. Soll ich direkt zur Rezeption gehen?
Nein. Der fairste und oft auch schnellste Weg ist, das Problem zuerst direkt bei dem zuständigen Crew-Mitglied anzusprechen – in diesem Fall bei deinem Kabinensteward. Ein direkter Gang zum Vorgesetzten oder zur Rezeption setzt den Mitarbeiter unnötig unter Druck, bevor er überhaupt die Chance hatte, das Problem für dich zu lösen. Eine höfliche, direkte Anfrage führt meist zu einer schnellen und unkomplizierten Lösung, die für alle am besten ist.
Disclaimer: Dieser Beitrag wurde in keiner Form gesponsert und beruht auf meinen eigenen Erfahrungen als ehemaliges Crewmitglied sowie intensiver Recherche. Das Bild im Header stammt von AJITH.A auf stock.adobe.com.
Daniel Dorfer | Reisejournalist (VDRJ): Mit der Erfahrung aus über 40 Ländern und von 40+ Kreuzfahrten (u.a. als Crew-Mitglied) schreibt er heute als Familienvater ehrliche Reisetipps für ganz normale Urlauber. Mehr erfahren...
Hallo Daniel!
Ein wirklich hilfreicher Artikel, vor allem auch für die, die immer wieder die Servicepauschale streichen…..
Eine Frage habe ich aber noch: Ich mach mir schon lange darum Gedanken ob ich wirklich immer Dollar für das Extratrinkgeld an Bord tauschen soll, was ich in Deutschland machen würde. Am Ende muss die Crew doch auch die Dollar tauschen für ihre eigenen Währung und so könnte ich stattdessen doch gleich Euro geben, wovon sie dann auch mehr hätten. Ich würde z.B. statt 50 Dollar dann 50 Euro (nur als Beispiel) geben, was ja am Ende mehr wert ist. Bei Kreuzfahrten in Europa mache ich das meisten so, da sie das Geld sofort gebrauchen könnten aber wie siehst Du das woanders in der Welt? Das würde mich wirklich interessieren.
Liebe Grüße
Silke
Hallo Silke!
Vielen Dank, dass du meinen „Kreuzfahrt-Knigge“ gelesen hast – das freut mich riesig! Und deine Frage ist absolut berechtigt und zeigt, dass du dir wirklich Gedanken machst, wie du der Crew am besten eine Freude machen kannst. Das finde ich klasse!
Dein Gedanke ist im Prinzip goldrichtig: 50 Euro sind natürlich mehr wert als 50 Dollar und auf den ersten Blick das großzügigere Geschenk. Deine Vorgehensweise für Kreuzfahrten in Europa ist auch genau die richtige. Gibst du einem Crewmitglied aus Italien in Barcelona ein Euro-Trinkgeld, kann es das sofort nutzen. Perfekt!
Aber, und das ist der entscheidende Punkt für Reisen außerhalb Europas, die Sache hat einen kleinen Haken.
Ich möchte dir das aus der Perspektive der Crew erklären, so wie ich es auf meinen Reisen erfahren habe:
Die „Bord-Währung“ ist fast immer der US-Dollar
Auf den meisten großen, internationalen Reedereien (wie z.B. Royal Caribbean, Norwegian Cruise Line, Carnival, aber oft auch bei MSC oder Costa auf ihren weltweiten Routen) ist die offizielle Währung an Bord der US-Dollar. Das bedeutet:
Der US-Dollar als „Welthafen-Währung“
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Nutzbarkeit an Land. In vielen klassischen Kreuzfahrt-Destinationen wie der Karibik, Teilen Südamerikas oder auch in vielen asiatischen Häfen ist der US-Dollar eine inoffizielle Zweitwährung. Ein Crewmitglied kann während der kurzen Freizeit an Land oft direkt mit kleinen Dollar-Scheinen bezahlen. Der Euro ist dort hingegen meist nutzlos und muss erst umständlich und mit Verlusten getauscht werden.
Mein Fazit und persönlicher Tipp
Dein Gedanke ist großzügig und ehrenwert, aber in der Praxis hilfst du der Crew außerhalb der Euro-Zone meist mehr mit US-Dollar.
Ich mache es daher so und würde dir das auch empfehlen:
Ich tausche mir dafür vor der Reise immer einen Schwung kleiner Dollar-Noten (1-, 5- und 10-Dollar-Scheine). So hat man immer etwas Passendes zur Hand, um einen exzellenten Service direkt und unkompliziert zu honorieren.
Ich hoffe, diese Erklärung aus der Praxis hilft dir weiter! Es ist toll, dass es Reisende wie dich gibt, die sich solche Gedanken machen. Das ist Wertschätzung pur für die harte Arbeit der Crew.
Ich wünsche dir eine fantastische nächste Kreuzfahrt und allzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!
Viele Grüße
Daniel
Sehr gute Tipps, lieber Daniel! Danke dafür! Eine Frage habe ich dennoch: das zusätzliche Trinkgeld für eine 7-tägige Reise hast Du ja erwähnt, aber wie sieht das bei einer 25-tägigen Schiffsreise aus?
Da fällt mir noch eine Frage ein: wenn das „automatische“ Trinkgeld bereits im Reisepreis enthalten ist, kann ich dann davon ausgehen, dass die ganze Crew gut bzw. fair bezahlt wird?
Gespannte Grüsse
Inge
Grüezi Inge,
schön von dir zu lesen und vielen Dank für deine super Nachfragen! .o0(Du weißt genau wie sehr ich Heinz und dich um DIESE tolle Kreuzfahrt beneide! ;-) )
Das sind genau die Themen, die viele Kreuzfahrer beschäftigen und über die man sich oft erst an Bord Gedanken macht. Gerne teile ich meine Erfahrungen dazu mit dir.
Frage 1: Zusätzliches Trinkgeld bei einer 25-tägigen Reise
Das ist ein sehr guter Punkt. Bei einer so langen und besonderen Reise baut man oft eine engere Beziehung zur Crew auf, die einen täglich umsorgt. Eine pauschale Summe wie bei einer 7-Tage-Reise wird da schnell sehr hoch und unübersichtlich.
Ich persönlich handhabe das bei langen Reisen anders und würde dir einen ähnlichen Ansatz empfehlen:
Auf die gesamte Reise von ca. 3,5 Wochen hochgerechnet, wäre das eine sehr großzügige und wertschätzende Geste, die aber im Rahmen bleibt. Wichtig ist: Das ist nur ein Anhaltspunkt. Wenn jemand einen absolut herausragenden Service leistet, darf es gerne mehr sein. Wenn du mit einem Service unzufrieden bist, natürlich auch weniger. Es ist und bleibt eine freiwillige Anerkennung.
Frage 2: Sind „automatische Trinkgelder“ eine faire Bezahlung?
Das ist die wahrscheinlich am meisten diskutierte Frage auf See. Meine ehrliche und direkte Antwort: Nein, nicht allein.
Man muss das System verstehen:
Fazit: Man kann davon ausgehen, dass die Crew durch die Kombination aus Grundgehalt und dem Pool der automatischen Trinkgelder ein Einkommen erzielt, das für sie und ihre Familien zu Hause sehr wichtig ist. „Gut“ oder „fair“ ist dabei sehr subjektiv und hängt vom jeweiligen Heimatland ab. Aber es ist definitiv so, dass sie auf diese Gelder angewiesen sind.
Ich hoffe, das bringt etwas mehr Licht ins Dunkel und hilft dir bei deiner Reiseplanung! Es ist wirklich toll, dass du dir darüber so viele Gedanken machst.
Weiterhin viel Vorfreude auf eure große Reise!
Ganz liebe Grüße
Daniel
Lieber Daniel,
hab Dank für Deine ausführlichen Antworten. Die erste hilft definitiv weiter, die zweite hatte ja mehr einen allgemein informativen Charakter! Normalerweise wird ja ausgewiesen, wie viel Trinkgeld täglich automatisch verrechnet wird. Bei uns heisst es einfach, es sei inklusive und im Gesamtpreis drin. Aber ich frag dann auf dem Schiff nach.
Jaaa… ich weiss, wir werden um diese Kreuzfahrt beneidet. Sie ist ja auch etwas Besonderes. Und vor allem herrlich lang!
Liebe Grüsse
Inge