Wer Mallorca nur zwischen Hotelpool, Ballermann und Strandpromenade erlebt, verpasst den spannendsten Teil der Insel. Hinter der Küstenlinie warten Bergdörfer aus Naturstein, Serpentinen mit Meerblick und Buchten, zu denen kein Reisebus fährt. Wir haben die Insel in den letzten Jahren mehrfach auf eigene Faust erkundet und dabei jedes Mal faszinierende neue Ecken entdeckt. Sogar beruflich hat mich Mallorca schon ans DJ-Pult geholt, für eine private Feier auf einer VIP-Finca im Inselinneren, aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag. Eins noch vorweg: Ohne eigenes Auto bleibt dir vieles davon verschlossen.
Warum sich ein eigenes Auto auf Mallorca lohnt
Das Busnetz auf Mallorca ist besser als sein Ruf, keine Frage. Nach Sóller oder Alcúdia kommst du damit problemlos. Schwierig wird es überall dort, wo die Insel am authentischsten ist, an einsamen Calas im Südosten, in winzigen Dörfern der Tramuntana oder am Leuchtturm ganz im Süden. Im Bus zwischen Paguera und Palma de Mallorca kamen wir uns damals vor wie in einer Sardinenbüchse.
Genau für solche Ausflüge brauchst du ein eigenes Auto. Beim Stichwort Mietwagen Mallorca übernimmst du den Wagen am besten direkt nach der Landung am Flughafen Palma. Stationen gibt es aber auch verteilt über die Insel, etwa in Alcúdia, Santa Ponsa oder Cala d’Or. Das ist praktisch, wenn du erst ein paar Tage am Strand entspannst und den Wagen nur für zwei, drei Ausflugstage brauchst.
Ein Kompaktwagen reicht übrigens völlig. Auf den schmalen Bergstraßen und in den engen Dörfern parkst du mit einem kleinen Auto deutlich entspannter.
Route 1: Durch die Serra de Tramuntana
Die Bergkette im Westen ist für mich die schönste Ecke der Insel und das sehe ich offenbar nicht allein so, denn die Kulturlandschaft der Serra de Tramuntana gehört seit 2011 zum UNESCO-Welterbe. Starte in Palma auf der Ma-1110 Richtung Valldemossa. Das Dorf mit seiner berühmten Kartause, in der Frédéric Chopin den Winter 1838/39 verbrachte, ist schon am Vormittag gut besucht. Sei früh dran und gönn dir unbedingt eine Coca de Patata samt Café con leche in einer der Bäckereien an der Hauptgasse.

Magst du es lieber gemütlich als kurvig, fahr von Valldemossa aus in die andere Richtung, über Banyalbufar mit seinen jahrhundertealten Weinterrassen und den Wachturm Torre des Verger bis nach Port d’Andratx, wo der Sonnenuntergang am Hafen ein würdiger Tagesabschluss ist. Diese Runde bin ich selbst schon gefahren, den ausführlichen Bericht zum Ausflug nach Valldemossa, Banyalbufar und Port d’Andratx findest du hier im Reiseblog.

Weiter geht es auf der Küstenstraße Ma-10 nach Deià, das Künstlerdorf am Hang, in dem der Schriftsteller Robert Graves lebte. Kurz dahinter lohnt der Stopp am Mirador de Sa Foradada. Der Blick auf den durchlöcherten Felsen im Meer gehört zu den bekanntesten der Insel, besonders zum Sonnenuntergang.
Anschließend rollst du runter ins Tal von Sóller, wo Orangenhaine das Ortsbild prägen und du unbedingt das Orangeneis probieren musst. Von hier zuckelt eine historische Straßenbahn zum Hafen, falls du das Auto mal stehen lassen willst. Wie sich der Spaziergang runter ans Meer und die Rückfahrt mit der alten Tram anfühlen, liest du in meinem Beitrag über Sóller und Port de Sóller.
Nimm dir außerdem eine halbe Stunde für Fornalutx, nur zehn Fahrminuten entfernt. Das Dorf mit seinen Natursteinhäusern und blumengeschmückten Treppengassen wurde schon mehrfach zu einem der schönsten Spaniens gekürt, und wenn du unter der Woche kommst, hast du die Gassen oft fast für dich.

Wer noch Nerven für Serpentinen hat, hängt die Strecke nach Sa Calobra dran. Die Straße wurde in den 1930er-Jahren in den Fels gebaut, windet sich auf rund 12 Kilometern fast 800 Höhenmeter hinab und dreht sich an einer Stelle sogar einmal um sich selbst. Unten wartet die Schlucht des Torrent de Pareis, eine der spektakulärsten Kulissen Mallorcas.
Fahrzeit ohne Stopps: etwa 2,5 Stunden ab Palma. Mit Pausen ist das ein kurzweiliger, erlebnisreicher und großartiger Tag.
Noch ein Tipp für den Südwesten. Ab Paguera, das ich von einem Familienurlaub in Paguera und Cala Fornells kenne, starten Bootstouren zur unbewohnten Dracheninsel Sa Dragonera. Auf dem Naturschutz-Eiland wimmelt es von endemischen Eidechsen, und die kurze Wanderung zum Leuchtturm klappt auch mit Kindern.

Route 2: Der Norden mit Cap Formentor und Alcúdia
Die Halbinsel Formentor ist das dramatische Ende der Tramuntana, mit Felswänden, die senkrecht ins Meer stürzen, dazwischen die kurvige Straße zum Leuchtturm. Ein Hinweis aus eigener Erfahrung, im Sommer ist die Strecke zwischen Port de Pollença und dem Leuchtturm tagsüber für private Pkw gesperrt, dann fährt ein Shuttlebus. Außerhalb der Saison (oder früh am Morgen) hast du die Serpentinen dagegen fast für dich. Prüf die aktuellen Regelungen am besten kurz vor deiner Reise.
Das hübsche Pollença mit seiner 365-stufigen Kalvarienberg-Treppe nimmst du auf dem Weg gleich mit. Auf dem Rückweg lohnt dann die Altstadt von Alcúdia mit ihrer mittelalterlichen Stadtmauer. Bei meinem letzten Mallorca-Urlaub bin ich sie einmal komplett abgelaufen, der Blick über Bucht und Dächer lohnt sich.
Danach bietet sich ein Abstecher ins Landesinnere an. In Sineu findet mittwochs einer der ältesten Wochenmärkte der Insel statt, mit Ständen voller Obst, Käse, Oliven und Sobrassada. Hier kaufen die Mallorquiner selbst ein, und genau das macht den Reiz aus.
Route 3: Der Südosten, Buchten und Leuchttürme
Der Südosten zeigt ein ganz anderes Gesicht, flaches Land, Steinmauern, jede Menge Mandelbäume und eine Küste voller kleiner Calas. Am schönsten finde ich den Naturpark Mondragó bei Santanyí, wo sich zwei türkisfarbene Buchten in die Pinienlandschaft schmiegen. Komm auch hier früh, die Parkplätze sind begrenzt.
In Santanyí selbst schlenderst du mittwochs und samstags über einen hübschen Markt zwischen honigfarbenen Sandsteinhäusern. Von dort sind es nur 20 Minuten bis zum Cap de Ses Salines, dem südlichsten Punkt Mallorcas. Am Leuchtturm ist es selbst im Hochsommer angenehm ruhig, und bei klarer Sicht erkennst du die vorgelagerte Insel Cabrera.
Zum Abschluss noch ein wenig Strand? Der Es Trenc zwischen Colònia de Sant Jordi und Sa Ràpita ist ein kilometerlanger Naturstrand mit karibisch hellem Wasser. Direkt dahinter liegen die Salinen, aus denen das bekannte Flor de Sal gewonnen wird. Der Parkplatz kostet ein paar Euro, dafür sparst du dir den langen Fußmarsch.
Praktische Tipps fürs Fahren auf Mallorca
Straßen und Tempo: Die Autobahn Ma-13 verbindet Palma mit Alcúdia, hier gilt Tempo 120. In den Bergen bist du dagegen selten schneller als 40 unterwegs, plane also großzügig. Der Tunnel nach Sóller ist mittlerweile mautfrei.
Parken: In den Dörfern und Städten gilt in blau markierten Zonen Parkscheinpflicht, meist von 9 bis 14 Uhr und 17 bis 20 Uhr. In Palma fährst du am entspanntesten direkt in eines der Parkhäuser, etwa am Parc de la Mar. Was dich dort zu Fuß erwartet, von der Kathedrale La Seu bis ins Viertel Santa Catalina, hab ich in meinen Top 10 Sehenswürdigkeiten von Palma zusammengefasst.

Beste Reisezeit: Für einen Roadtrip liebe ich das Frühjahr. Ende Januar bis Februar blühen die Mandelbäume, ab April ist es warm genug für erste Badestopps, und die Straßen sind noch angenehm leer. Der Herbst punktet dafür mit einem Meer, das die Sommerwärme gespeichert hat.
Tanken: Füll den Tank auf, bevor du in die Tramuntana startest. In den Bergen gibt es kaum Tankstellen, entlang der Ma-13 und in den größeren Orten dafür reichlich. Die Preise liegen meist ein gutes Stück unter dem deutschen Niveau.
Radfahrer beachten: Mallorca ist ein Trainingsrevier für Rennradfahrer, gerade in der Tramuntana. Halte beim Überholen mindestens 1,50 Meter Abstand, das ist in Spanien vorgeschrieben.
Mein Fazit
Mallorca belohnt alle, die sich hinter das erste Strandhandtuch wagen. Mit einem eigenen Auto wird aus der Badeinsel ein echtes Roadtrip-Ziel, morgens Serpentinen in der Tramuntana, mittags Markt in Sineu, abends Sonnenuntergang am Leuchtturm. Das Beste daran ist, dass die meisten dieser Orte keine Stunde voneinander entfernt liegen. Du kannst also ganz ohne Stress kombinieren, worauf du grad Lust hast.
FAQ: Mietwagen und Autofahren auf Mallorca
Braucht man auf Mallorca wirklich ein Auto?
Nein, für reinen Strandurlaub mit Hotel und Pool nicht. Sobald du aber Bergdörfer, einsame Buchten oder Leuchttürme sehen willst, kommst du um ein eigenes Auto kaum herum. Viele der schönsten Orte der Insel haben schlicht keine Busanbindung.
Was kostet ein Mietwagen auf Mallorca?
Das hängt stark von der Saison ab. In der Nebensaison bekommst du Kleinwagen oft schon für unter 30,00 € am Tag, im Juli und August wird es deutlich teurer. Ich rate dir, früh zu buchen und auf eine Vollkasko ohne Selbstbeteiligung zu achten, die schmalen Gassen fordern gern mal einen Kratzer.
Ist das Autofahren auf Mallorca schwierig?
Nein. Die Hauptstraßen sind gut ausgebaut, die Beschilderung ist klar. Respekt brauchst du nur vor den schmalen Bergstraßen der Tramuntana und der Parkplatzsuche in kleinen Dörfern. In der Nebensaison fährt es sich spürbar entspannter.
Reicht der deutsche Führerschein?
Ja, der EU-Führerschein genügt. Das Mindestalter liegt je nach Anbieter meist bei 21 Jahren, unter 25 fällt oft eine Jungfahrergebühr an. Für die Kaution brauchst du in der Regel eine Kreditkarte auf den Namen des Fahrers.
Offenlegung: Dieser Beitrag ist in bezahlter Kooperation mit Europcar entstanden (Werbung).
Daniel Dorfer ist Reisejournalist, Mitglied in der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten (VDRJ), Gastautor im BurdaForward EXPERTS Circle bei CHIP.de und FOCUS online und Gründer von fernwehblog.net. Als erfahrener Reiseblogger und Kreuzfahrtblogger hat er in den vergangenen Jahren über 40 Länder bereist und mehr als 40 Kreuzfahrten erlebt, teilweise sogar aus einer besonderen Perspektive als Crew-Mitglied. Genau diese Mischung aus journalistischem Blick, eigener Reiseerfahrung und ehrlicher Praxis macht seine Texte so wertvoll für Urlauber, die verlässliche Informationen statt leerer Versprechen suchen.
Auf fernwehblog.net schreibt Daniel Dorfer über Kreuzfahrten, Städtereisen, Familienurlaub, Reisetipps und Ausflüge. Seine Beiträge verbinden persönliche Erfahrungen mit nützlichem Wissen für die Reiseplanung, vom ersten Vergleich über die Buchung bis zu praktischen Tipps für unterwegs. Im Mittelpunkt stehen dabei authentische Empfehlungen für ganz normale Urlauber, die ihre Reise besser vorbereiten, typische Fehler vermeiden und vor Ort mehr erleben möchten.
Ob Kreuzfahrt Tipps, ehrliche Erfahrungsberichte, Empfehlungen für Reiseziele oder alltagstaugliche Ratgeber für Urlaub und Familienreisen: Daniel Dorfer zeigt, worauf es wirklich ankommt. So finden Leser auf seinem Reiseblog und Kreuzfahrtblog Inspiration, Orientierung und hilfreiche Informationen aus erster Hand. Mehr erfahren