9 Dinge die mich am Pauschalurlaub tierisch nerven

9 Dinge die mich am Pauschalurlaub tierisch nerven

“Als deutscher Tourist im Ausland steht man vor der Frage, ob man sich benehmen muß oder ob schon deutsche Touristen dagewesen sind!” (Kurt Tucholsky)

Pauschaltouristen sind ein ganz eigenes Völkchen. Sie wollen gleich bei der Planung der Reise kompakt aus einer Hand wissen was genau finanziell auf sie zukommt und geben dann schlussendlich vor Ort doch wieder viel mehr aus als geplant war. Das ist natürlich – wie so vieles – bewußt gewollt und provoziert von den Reiseveranstaltern und Hotels. Aber nicht nur diese  Augenwischerei geht mir tierisch auf den Sack. Bei meinen letzten Pauschalreisen fielen mir immer wieder ein paar Dinge auf, die mich einfach nerven an so einem All-Inclusive-Urlaub und ich bin mir sicher damit nicht allein zu sein…

1. Das Armband beim Check-in

Schon an der Rezeption wird man zur Begrüßung erst einmal wie Schlachtvieh gekennzeichnet und mit einem supertollen Plastikarmband quasi an die Hotelanlage gefesselt. Das macht natürlich die Zugangskontrolle wesentlich einfacher, vor allem in den Restaurants oder an der Bar, das versteh ich natürlich.

Wirklich schlimm daran ist, daß ich mehrmals die Nacht aufwache, weil mir der Arm einschläft mit der kleinen Handschelle. Egal wie locker man das Teil dran macht, irgendwann verrutscht es und schnürt die Blutzufuhr ab. Außerdem hab ich mich schon unzählige male mit den Mistdingern beim Duschen gekratzt, weil sich der meist scharfkantig abgeschnittene Verschluss ständig verdreht. Leider gibt es noch keine billigere Möglichkeit für die Hotels uns als All-Inclusive-Gäste zu brandmarken. Trauriges Smiley

2. Ultra-Super-Hyper-VIP-All-Inclusive

Man kann im Pauschalurlaub natürlich mit Ultra-All-Inclusive noch einen drauflegen und sich mit einem andersfarbigen Armbändchen von der Masse abheben. Für ein paar Euro mehr pro Tag darf man dann in spezielle VIP-Bereiche und bekommt den Marken-Alkohol, nicht den billigen Fusel, den der Pöbel gezwungenermaßen saufen muß. So kann zum einen das Hotel noch mehr aus der dem Schlachtvieh melken und dabei die zuhause eigentlich 0815-Pappnasen sich als etwas besseres fühlen lassen. Das sind doch gleich zwei Fliegen mit einer Klappe! Wow!

Mal eine ganz blöde Frage an Euch Hotels:
All-Inclusive heißt doch eigentlich ALLES INKLUSIVE, oder nicht?

3. Die Liegen-Reservierer

Obwohl es bereits in vielen Hotels weltweit verboten ist, schleichen sich in den frühen Morgenstunden immer wieder besonders pfiffige Gestalten aus den Zimmern, um sich ganz dreist mit einem Handtuch oder Taschenbuch ihre ganz persönliche Liege zu reservieren. Egal ob sie später am Tag nur 15 Minuten am Strand verbringen, weil die Schnattergänse auf den Liegen nebenan mal wieder zum Kaffeetratsch da sind, oder ob sie überhaupt kommen. Das Handtuch gehört dem Hotel, genauso wie das zerfledderte Taschenbuch – das klaut so schnell niemand.

Jeder normale Gast, der wie ich einfach mal aus einer spontanen Laune heraus einen Schattenplatz am Strand sucht ist dann der Gelackmeierte. Man sollte sich eigentlich einfach auf so einem eindeutig ungenutzten Liegestuhl breit machen und drauf pfeifen ob da noch jemand kommt oder nicht. First come, first serve! Aber der Anstand verbietet es einem. Ich zumindest bin zu gut erzogen für so etwas und hab im Urlaub Null Bock auf einen Streit am Strand. Entspannung ist angesagt, notfalls auf einem Strandtuch im weichen Sand – find ich eh gemütlicher…

Liegenreservierung-im-Pauschalurlaub

4. Der Mega-Bräunungs-Junkie

Ganz und gar unverständlich ist für mich aber auch ein ganz anderer Pool- oder Strandbesucher: Der Broiler-Bräuner!

Ihr kennt sicher diese seltsamen Kreaturen, die man in zwei Wochen Pauschalurlaub immer auf der gleichen Liege sieht, während sich die Hautfarbe von einem ungesunden rot zu einem lecker-knusprigen Brathähnchen-Braun entwickelt. Am Ende des Urlaubs sehen die sowas von Sch… aus, aber sie können zuhause prahlen, daß sie im sonnigen Süden waren – unverkennbar!

Manchmal frag ich mich da wo genau das Hirn ist, aber die Hitze in der prallen Sonne läßt das Organ sicher auf Rosinengröße schrumpeln. Schon nach einer halben Stunde steigt das Hautkrebs-Risiko erheblich, ganz gleich wie viel Sonnencreme man beim Sonnenbad aufträgt.

Ich für meinen Teil will in dem Land in dem ich gerade zu Besuch bin mehr sehen als nur die Strandliege und auch nicht nur meinem Hautarzt seine Finca auf Mallorca finanzieren… Zwinkerndes Smiley

5. Die Schlacht am Buffet

Allabendlich sieht man sie schon vor dem Restaurant mit den Hufen scharren: Fütterungszeit!

Ja, auch hier bietet sich der Begriff Schlachtvieh wieder ganz gut an. Als hätten sie nicht schon den ganzen Tag über genug zu fressen bekommen. Frühstück von 7:00-11:00, Snack von 11:00-12:30, Mittagessen von 12:30-15:00, Kuchen und mehr Snacks von 15:00-17:00 und dann eine kleine Pause bevor es von 18:00-22:00 Uhr zum Final Battle am Buffet kommt. Diese eine Stunde zwischen den Nachmittags-Snack und dem Abendessen zehrt sicher mächtig an den Nerven der bereits halb verhungerten Hotelgäste.

Was sich dann für Szenen abspielen, sobald es etwas so Besonderes wie Scampis gibt, muß man einfach mal erlebt haben! Und damit wir uns da nicht falsch verstehen: Es ist scheißegal ob da Deutsche, Franzosen, Italiener, Amerikaner oder Russen am Werk sind, da nimmt sich keiner was. Die Teller werden überladen, das kann kein Mensch alleine essen. Als gäbe es kein Morgen. Bis man zum Tisch kommt und alles zusammen hat was man zum Abendessen möchte ist das Zeug dann meist schon kalt. Entsprechend voll sind die Teller dann noch beim Abräumen durch die manchmal unmerklich kopfschüttelnden Kellner.

Ich für meinen Teil schau mir erst einmal an was es alles gibt und wähle dann mein Essen. Den Hype um Meeresfrüchte hab ich dabei nie verstanden, mir schmecken die einfach nicht. Außerdem weiß ich, daß diese Hotels mehr als genug von allem da haben, es muß niemand verhungern. Man kennt seine Gäste und deren Verhalten schließlich seit Jahren…

Sacampis-Buffet

6. Die Schweiger und Gaffer

Kaum sitzen sie beim Essen haben sich so manche Paare im Urlaub nichts mehr zu sagen. Daheim ist das ganz einfach, da läuft die Glotze und erspart einem solch peinlich-schweigsame Momente. Was dann an Unterhaltung fehlt versucht man dann meist vergeblich am Buffet und an den Nachbartischen zu erblicken.

Oft frag ich mich ganz verunsichert selbst ob ich da einen besonders bösen Popel im Gesicht habe oder ob ich ein handsigniertes Foto anbieten soll, aber meist möchte ich dann bloß noch verschwinden, wenn mich diese gelangweilten Gestalten gedankenverloren anblicken.

7. Das TV-Angebot

Natürlich ist man es in der heutigen Zeit gewohnt vor dem Schlafen noch etwas im TV zu zappen oder ein Filmchen anzugucken. Dafür gibt es auch in vielen Hotels tolle Flachbild-Fernseher mit vielen Kanälen – vorzugsweise in der Landessprache. Ist es denn in der heutigen Zeit wirklich so schwer ein, zwei Satelliten zu finden, auf denen man internationales Programm empfängt? Oder über das Internet ausgewählte Sender zu finden? Ich bin da ganz bescheiden, englisch würde mir vollkommen reichen. Sicher gibt es dafür spezielle Anbieter, aber das kostet halt ein wenig Geld. Da wird dann lieber mit viel Elan jeder noch so uninteressante lokale Popelsender eingespeist, egal wie schlecht das Signal auch ist. Dazu dann noch zwei nervige Sportsender, CNN International und mit viel Glück das aufregend einschläfernde Programm der Deutschen Welle Polen. Na super!

Aber wahrscheinlich sollte man einfach froh sein wenn man im Urlaub nichts von den Sorgen der lieben Daheimgebliebenen erfährt oder man seine Lieblingsserie nicht weiter sehen kann. Das faszinierende Abendprogramm der Hotel-Animation schlägt locker den Raab… Zwinkerndes Smiley

Aber mal im ernst: Jedes kleine Hinterhof-Hotel hat eine bessere Kanalauswahl, viele sogar mit Pay-TV ohne Aufpreis. Nehmt Euch daran doch einfach mal ein Beispiel!

8. Lahmes Internet gegen teure Bezahlung

Hurra, die haben WiFi in meinem Hotel! 6 Dollar pro Tag? Na gut… ich will mal nicht so sein.

Und was dann? Langsame Verbindung, Begrenzung des Download-Volumens, nur ein Gerät möglich, unverhoffte Verbindungsabbrüche oder ständiges Browser-Hijacking auf die Homepage des Hotels sind da nur die Spitze des Eisbergs. Ein einfacher Skype-Anruf zuhause, der Upload der neuen Urlaubsbilder auf Facebook oder die wichtige Mail an einen Kollegen daheim werden zum nervenaufreibenden Geduldsspiel.

Wenn schon WiFi gegen Gebühr angeboten wird, dann aber bitte richtig! Auch hier macht den meisten großen Hotels jede Kleinstadt-Pension was vor. Da gibt es kostenlos und unbeschränkt Internet wenn man ganz lieb nach dem Passwort fragt. Ich weiß, daß das bei 400 Gästen etwas mehr Aufwand ist als bei 20, aber wenn ich schon dafür bezahle erwarte ich auch eine adäquate Gegenleistung.

Mein Tipp an die Hotels:
Spart Euch die Abzocke und bietet zumindest im Einlassbereich kostenlos WLAN an!

Denkt einfach mal an die Tatsache, daß jeder Gast der sich grad mal langweilt, weil er warten muß und in der Zwischenzeit kurz surfen will, sein Smartphone zückt um im Netz zu sein. Wenn das ohne Umstände und Aufpreis möglich ist, sorgt das sicher für ein paar mehr Likes auf Eurer Facebook-Seite und viele tolle Kritiken und Bilder im World Wide Web – das nennt man Mundpropaganda, auch wenn es mit den Fingern getippt wird…

9. Der Billig-Alkohol

Zum Abendessen den pfurztrockenen Hauswein aus dem Fünf-Liter-Tetra-Pack oder das schale Bier vom Fass, ganz ohne Schaumkrone versteh ich ja noch, aber müssen es denn immer diese seltsamen Möchtegern-Cocktails sein?

Da werden irgendwelche Säfte mit viel Eis und billigen Schnaps-Imitaten in den (mit viel Glück kurz ausgespülten) Mixer gekippt und zu einem seltsamen Einheitsbrei verrührt, den man dann im liebevoll vorsichtshalber mal nicht dekorierten Plastikbecher vor die Nase gesetzt bekommt. Na gut, das Zeug macht auch schwummrig im Kopf und bei den Mengen die da jeden Tag über den Tresen gehen will man natürlich auch sparen, aber muß es denn auf die Kosten meines armen Schädels sein?

Diese mehr schlecht als recht nachgemachten Martini-, Baileys-, Rum-, Wodka- oder Whiskey-Sorten haben nachweislich mehr Methylalkohol und sorgen so für einen dicken Kopf am nächsten morgen. Auch die Leber hat ihre liebe Mühe das Zeug aus dem Körper zu filtern. Da wundert es einen nicht wenn so mancher Pauschaltourist versucht seinen Kater mit dem Bierchen zum Frühstück zu kontern und im Urlaub kaum aus dem Rausch rauskommt…

Man kann sich vor Ort natürlich immer noch das goldene Megasuperwichtig-VIP-Armbändchen holen und das vermeintlich bessere Zeug schlürfen. Zwinkerndes Smiley

Billig-Alkohol-Pauschalurlaub

Natürlich weiß ich, daß ich mit diesem Blogbeitrag die Welt des Pauschalurlaubers nicht ändern werde. Auch ist mir vollkommen klar, daß jedes Klientel seine Gastgeber hat und das ist auch gut so. Für mich steht nur fest, daß ich auch weiterhin immer mal wieder Pauschalurlaub machen werde, weil in den meisten Fällen das Gesamtpaket einfach günstiger ist als sich alles einzeln zu buchen. Ich weiß mittlerweile was ich nicht mag und kann es vermeiden – ich wollte es nur einfach mal loswerden… Zwinkerndes Smiley

Laßt mich doch mal wissen was Euch am Pauschalurlaub nervt.
Ich freue mich auf Eure Kommentare!

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Written by fernweh

Hier schreibt Daniel Dorfer, der einzige Kreuzfahrt- und Reiseblogger auf dem Kreuzfahrt- und Reiseblog fernwehblog.net. Als hauptberuflicher DJ war er einige Zeit an Bord der AIDA-Flotte auf Kreuzfahrt und reist seither verstärkt durch diese Welt um darüber zu berichten.

5 Comments

  1. Tanja · 31. Januar 2014

    Ich mag eigentlich gar keine Pauschalreisen und ein Alles Inklusive Angebot. Ich finde es ehrlich gesagt eher langweilig. Kann aber verstehen, dass viele Menschen genau das für die Entspannung und für die eigene Sicherheit brauchen.

    Mir fehlt bei All Inclusive der Fun- und Abenteuer-Faktor. Ich liebe es einfach drauf los zu reisen und zu sehen, wohin die Reise mich führt. Das geht bei einem Pauschalurlaub eher schlecht. Hier ist Vieles vorgeplant und berechenbar.

    Ich mag es eher mich treiben zu lassen. Wenn es mir irgendwo gefällt bleibe ich länger, falls nicht, geht die Reise weiter. Kein Urlaub, keine Reise gleicht der Anderen. Was bei einer Pauschalreise oft eben nicht der Fall ist. Hier hat man oft das Gefühl, alles ist Einheitsbrei und irgendwie gleichen sich die Angebote auch oft.

    Aber wie gesagt, dass ist meine persönliche Meinung… :-) Andere Menschen fühlen sich genau damit wohl und brauchen diese Sicherheit und Routine.

  2. Tom · 1. Februar 2014

    Das letzte Mal war ich vor etwa 5 Jahren auf einem All-Inclusive-Trip in Ägypten. In diesen abgeschotteten Hotelanlagen mag das sogar Sinn machen, da man so kein Geld mit sich rumtragen möchte. Den Buffetschlachten konnte man dort immerhin ausweichen, in dem man sich in die A-la-carte-Restaurants flüchtete, wo man dann allerdings trotzdem wieder auf Gäste stiess, die sich dort dann lauthals beschwerten, dass die Speisen dort nicht inbegriffen sind.

    Immerhin wurden die Liegestuhl-Badetuch-Reservierer dort ziemlich gut erzogen, indem das Hotelpersonal die Badetücher regelmässig einsammelte – und sich die Gäste dann erst mal wieder auf die Suche nach Tüchern machen mussten.

    Pauschal- und All-Inklusive-Trips haben grundsätzlich ein Problem: Man bewegt sich kaum von der Hotelanlage weg. Dabei sollte doch genau das das Ziel einer Reise sein. Die Umgebung, die Menschen, die Natur, die Kultur kennenlernen. Wer das nicht will, ist mit solchen Trips gut bedient. Dann ist es aber auch vollkommen egal, ob man in die Türkei, Agypten oder in die Dominikanische Republik reist. Denn: Man bekommt ja dann eh nichts von Land und Leuten mit.

    • fernweh · 1. Februar 2014

      Da stimm ich Dir voll und ganz zu! Man will schließlich unterwegs sein, etwas sehen vom Reiseziel und nicht nur am Hotelpool braten… so geht’s mir zumindest. Aber in manchen Gegenden ist man besser gut bewacht und eingesperrt, da macht All-Inclusive Sinn.
      Das mit den Handtucheinsammlern find ich schon mal sehr löblich! :-)

  3. Christina · 2. Februar 2014

    Da wir gerade unseren ersten Pauschalurlaub hinter uns haben (ich schreib grad dran, was man da eigentlich so den lieben langen Tag lang tut…für alle, die genauso keine Ahnung hatten wie wir vorher), kann ich Dir sagen: Dass man so abgeschottet ist und alles serviert bekommt (Taxiservice, Essen, Cocktails, Tourenbuchung). Mir fehlt da einfach das Abenteuer und der Kontakt zum Land! Tatsächlich sind wir auch auf eigene Faust los, aber die Rezeptionisten haben sich enorm ins Zeug gelegt, uns davon abzuhalten. Allerdings ist es als Familie einfach nicht zu unterschätzen, wie viel erholter man aus so einem Urlaub wieder in Deutschland ankommt. Jaja, das ist ein Dilemma…LG, Christina

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